User
Passwort
Login
Password lost?
Registrieren

Bindungsplatten / Raiser-Plates

Vorteile, Funktionsweise und Verwendungstipps

(Artikel von unserem Mitglied Iksonom, mit Dank an den Verband Sports)

Die Bindungsplatte, auch Carvingplatte oder schlichtweg Standerhöhung genannt, gehört auch beim Monoski längst zum Standard-Tuning. Leider sind separate Bindungsplatten schon fast nicht mehr zu kriegen, weil die Carvingski heutzutage schon mit integrierten Standerhöhungen aufgelegt und größtenteils sogar nur noch als komplettes Ski-Bindungssystem angeboten werden. Wer also noch separate, plan montierbare Platten bekommt, ob markenspezifisch oder nicht, der sollte zugreifen - es gibt einen Markt!

Warum aber ist gerade beim Monoski der erhöhte Stand ein besonderer Vorteil und warum sollte jeder, der den Monoski schon etwas sportlicher fährt, unbedingt welche haben - oder eben ggf. nachrüsten? Aus der SPORTS- (Verband für Freizeit- und Gesundheitssport, Berufsverband für Sport- und Skilehrer e.V.) -Schriftenreihe zum Wintersport erschien kürzlich der 19. Band mit dem Titel "Skifahren und Snowboarden heute" von ALFRED GRÜNEKLEE und Dr. HERBERT HECKERS. Richtig: letzteren kennen wir namentlich bereits, ist er doch der Autor des einzigen deutschsprachigen Buches über unsere Skiart "MONOSKI - leichte Schwünge für Anfänger und Könner" von 1990. Dieses neueste Werk, welches Prozesse, Methoden, Material, Sportpsychologie und reichlich weitere Themen um den Wintersport auf hohem wissenschaftlichen Niveau behandelt und ausleuchtet, beinhaltet ein ganzes Kapitel vom Mitautor STEPHAN FISCHER auf den Seiten 157-187, welches sich mit den Bindungsplatten beschäf­tigt: „Der Einfluss der Bindungsplattengestaltung auf das Fahrverhalten von Carvingski im alpinen Ski­sport“. Neben dem Hauptthema „Gestaltung“ (insbes. Plattenneigung) finden sich interessante Erklärun­gen zu ihren Wirkungsweisen. Unter permanentem Bezug auf diese Quelle will ich hier versuchen, eine Essenz des für uns Monoski-Fahrer relevanten Inhaltes daraus wiederzugeben und diesen ggf. mit Monoski-spezifischen Ergänzungen meinerseits zu versehen. Auch die Skizzen stammen in ihrer Urform aus diesem Buch und wurden von mir lediglich „mo(no)difiziert“. Generell wird dabei von handelsüblichen Platten ausgegangen, die sinnvollerweise zwischen 2 und 5 cm hoch sind und hinten nicht mehr als 0,5 cm höher sind als vorne – womit ich das Thema „Gestaltung“ umgehe.

 

Extremere Schräglagen durch "Boot-out"-Prävention

Boot-Out ProblemDas Problem ist schon bei den Duo-Ski-Carvern bekannt: ohne Bindungsplatte kommt’s wegen der engen Taille oft schon bei moderaten Schräglagen zum „Boot-out“, was das Auslupfen der Skikante durch die Schuhwange bezeichnet. Und das schon auf der Großzehenkante des Außenskis, wo die Wangen der Skischuhe im Allgemeinen weniger über ihre Sohle ragen als auf der Kleinzehenseite; schließlich richten sich die Skischuh-Hersteller nach dem Gros der Skiläufer, die immer noch in erster Linie die Innenkante des - im Vergleich zum Innenski steiler aufgekanteten - Außenskis in einem Carve belasten. Aber beim Monoski, mit dem wir ja ständig im übertragenen Sinn den „Innenskischwung“ praktizieren, sind es eben diese deutlich ausladenderen Wangen auf der Kleinzehenseite, die über dessen Kanten ragen – und noch dazu liegen auf diesen Außenwangen die Schnallen an! Mit der (bänderschonenden) „standorientierten“ Bindungsmontage, also minimaler Abstand zwischen den Schuhen (ca. 2 mm), kann man zwar gegenüber der „kantenorientierten“ Montage, die oft durch Markierungen auf dem Ski als Empfehlung vorgegeben wird, den Überstand der Wangen um einige Millimeter reduzieren, aber je nach Taillenbreite des Monoski genügt das nicht. Durch die Standerhöhung wird der Winkel der Geraden durch Boot-out-Punkt und Kanteneck zur (Pisten-) Horizontalen durch die Hochsetzung des Boot-out-Punktes erweitert, was eine entsprechend schrägere Kurvenlage erlaubt. Und wenige Winkelgrade an der Kante wirken sich (sofern hüftknickfrei gecarvt wird) auf Höhe des Schwerpunktes durch merklich bessere zentrifugale Einsetzbarkeit der Masse aus, womit eine stärkere Durchbiegung der taillierten Kanten und so letztlich ein engerer Turn erreicht wird.

 

Kniewegverlängerung - optimierte Kontrolle des Kanteneinsatzes

KniewegDie Bindungsplatten strecken die Länge der starren Einheit von der Lauffläche bis zum nächsten „freien“ Gelenk, dem Knie. Betrachtet man die Kante als Kipp- oder Drehmittelpunkt und die starre Ski-Unterschenkel-Einheit als Radius, so ergibt sich bei gleichem Kippwinkel gemäß der Formel Umfang = 2 · Pi · Radius  durch den größeren Radius ein proportional längerer Knieweg. Dieser bringt den Vorteil der genaueren, „dosierteren“ Kontrolle des Aufstellwinkels der Kante zur Steuerung der Kraft, die der Bodenreaktionskraft auf die Zentrifugalkraft entgegengesetzt werden muss.

Slalomwettkampf: erhöhte Kurvengeschwindigkeit

Spuren mit BindungsplatteDurch die Erhöhung wird der Schwerpunkt des Systems Skifahrer-Ski ebenfalls angehoben und in Konsequenz liegt er je nach Schräglage näher beim Kurvenzentrum, was seinen senkrecht projizierten Kurvenweg verkürzt. Daraus ergibt sich, dass dieser Schwerpunkt kürzere Wege als die Skispur zurücklegt und das in Bögen mit größerem Radius. Da durch diese gemäßigte Schlangenlinie der vom Schwerpunkt ausgehenden, gleichbleibenden Schwerkraft (mal ungeachtet der paar 100 Gramm der Platten + zus. Schrauben) weniger Widerstand entgegengebracht wird, erhöht sich die Geschwindigkeit des gesamten „Systems“ und im Umkehrschluss auch die Kurvengeschwindigkeit über den längeren Weg der Skispur! Je weiter die Skispur von der Falllinie abweicht (also je „breiter“ der Slalom-Parcours ist), desto stärker wirkt sich dieser Effekt aus, weil die Kurvenlage schräger wird. Allerdings gilt dies alles natürlich nur, wenn saubere Carvingturns ohne tempodrosselndes Driften (klassischer Schwung) und ohne Hüftknick ausgeführt werden. Für uns Normal-Monoisten ist dieser Effekt eher von geringerer Bedeutung, aber ich persönlich finde gerade diese Erkenntnis hoch interessant und überraschend. Vielleicht erklärt dieser Umstand auch das, was jeder von uns schon als den „Carving-Kick“ kennt: das aus-der-Kurve-raus-beschleunigen! Sowie wir während des Turns über die Beine Druck auf die Kante geben, schiebt sich erst mal der Schwerpunkt weiter nach innen und wir schießen förmlich aus der Kurve!

 

Variabilitätserhöhung bezüglich Lage der Bindungen (Druckpunkt)

Viele Bindungen bieten heutzutage schon optional eine Möglichkeit zur Schnell-Verschiebung des Druckpunktes unter Beibehaltung der Einstellungen: sogenannte Vario-Bindungen. Diese erlauben so dem geübten, flexiblen Fahrer eine Anpassung des Fahrstils an verschiedene Geländeformen und -bedingungen. Dieser permanent verfügbare Vario-Spielraum beträgt je nach Hersteller nicht mehr als 5-10 cm, meist montagebedingt gesplittet in Hälfte nach hinten, Hälfte nach vorn. Wenn nun darüber hinausgehende Bindungspositionen angestrebt werden, müssten die Bohrungen im Ski neu gesetzt werden, was wegen der Veränderung der Materialeigenschaften sowie Wassereintritt über alte Löcher etc. besser vermieden werden sollte. Die Platte jedoch bietet zusätzlichen Variationsrahmen (bei markenspezifischen Platten oft auch schon per Lochansatz angezeichnet), wobei offene, alte Löcher im Kunststoff keine Beeinträchtigung darstellen. Auch verfügen manche Bindungsplatten zudem über mehrere alternative Lochsätze, womit sie auf dem­entsprechend viele alternative Positionen auf dem Ski angeschraubt werden können, ohne dass neu gebohrt werden muss. Auf diese Weise kann der Monoist durch probeweises Versetzen der Platten und/oder der Bindungen auf den Bindungsplatten einen größeren Standbereich austesten um so seine „subjektiv optimale“ Lage der Bindungen herauszufinden – die er dann schließlich immer noch über die Schnell-Verschiebungsmechanik feinjustieren kann.

Es scheint also, als ob Bindungsplatten die Fahreigenschaften der kompletten Equipment-Einheit wesentlich verbessern. Abgesehen davon – jetzt mal ohne forensische Analyse - sieht ein Monoski mit durchgehenden Standerhöhungen einfach cooler aus. Nicht nur, dass das Race-Image der „höhergelegten“ Carvingski rüberprojiziert wird und Schnittigkeit suggeriert. Es ist auch eine Art Fein-Tuning an einem Gerät, bei dem sich mancher Betrachter nicht mal im Groben das Handling vorstellen kann.

 

Verwendung und Montage

Zur Verwendung und Montage von Bindungsplatten ist - neben festem Sitz usw. – gerade beim Monoski besonders zu beachten:

  • Da Platten den Hebel verlängern (sh. „Knieweg“) würden sich asynchrone Kippkräfte an den bei­den Bindungen noch schädlicher fürs Material auswirken als ohne Platten: die Schrauben würden noch stärker aus dem Ski gestemmt. Daher empfiehlt sich, Platten erst dann zu verwenden, wenn der Monoist so geübt ist, dass die Knie jederzeit zusammenbleiben und so nur synchrone Kippkräfte wirken, die sich somit voll im Aufkanten des Skis auswirken können.
  • Nur Platten verwenden, die eine plane untere Auflagefläche haben. Idealerweise Platten des Herstellers der hochzusetzenden Bindung verwenden, sonst markenneutrale Bindungsplatten. In jedem Fall prüfen (lassen), ob die Platte zur Bindung passt.
  • Der Abstand der Platten zueinander muss so groß sein, dass danach auch die Schuhe nebeneinander Platz finden, ohne sich an der Hartschale zu berühren (Schlagimpuls- und Vibrationsübertragung!). Dies sollte vorher ausgemessen oder ausgetestet werden. Wenn die Montage von einem Monoski-unkundigen „Fach“geschäft („Schema-F-Schablonenbohrer“), welches simpel der Empfehlung folgend kantenorientiert montiert (was bei den heutzutage sehr breiten Skischuhen fatal sein könnte), durchgeführt werden soll, gilt: unbedingt beide Skischuhe mitgeben und darauf hinweisen!
  • Um die Höhe der Platte verringert sich die Greiftiefe der Skistopper! Dies ist entweder mit dem Austausch gegen entsprechend längere (werden/wurden von manchen Marken angeboten) zu kompensieren, oder mit alternativen Fangeinrichtungen, die ein Entkommen des Monoskis bei beidseitiger Bindungsauslösung zuverlässig verhindern.
  • Die beiden Platten sollten tunlichst auf gleicher Höhe und symmetrisch auf den Monoski montiert werden, sonst sieht es einfach nur dillethantisch zusammengeschustert aus. Ob parallel oder nicht, ist „subjektive Note“, Hauptsache spiegelgleich. Der Monoski ist eben das einzige Wintersportgerät, bei dem eine asymmetrische Platten- und/oder Bindungsmontage sofort ins Auge stechen und das komplette Erscheinungsbild schlichtweg versauen würde.

 

Schließen will ich den Artikel mit einer eigenen Interpretation der o.a. Punkte 1+3, die miteinander verknüpft eine interessante Theorie einer Exzess-Spirale ergäben:

Wenn durch die Carvingplatten eine tiefere Schräglage erreichbar ist, die zu einer höheren Kurvengeschwindigkeit führt, dann müsste dieser Temposteigerung mit ihrer höheren Fliehkraft im nächsten Turn doch wiederum durch noch stärkeres Aufkanten und Reinlegen Rechnung getragen werden, wodurch der Schwerpunkt noch weiter runter und Richtung Kurvenzentrum... STOP - nein, irgendwann spielt entweder die Physik nicht mehr mit, weil z.B. die Kante nicht mehr im Schnee hält, oder die Biologie wird weich. Genauer gesagt werden die Knie weich, wenn sie die Haltekraft nicht mehr aufbringen und durch ihr Nachgeben den Schwerpunkt-zur-Mitte-Effekt schlucken. Irgendwo muss der Theorie eine praktische Grenze gesetzt werden.

In diesem Sinne: Ein HOCH auf die Standerhöhungen beim Monoski !
Oder man könnte hier als Quintessenz auch sagen: wer hoch droben ist, der kommt weiter runter... !

 

Mono-Ski.org - deutschsprachige europäische Monoski Organisation und Verband.
Email: info@mono-ski.org

Diese Seite erreichen Sie auch online unter
http://www.mono-ski.org/equipment/bindung/bindungsplatten.php

Scannen Sie unsere QR Codes mit Ihrem Fotohandy und gelangen Sie bei bestehender Internetverbindung direkt auf diese Webseite.